TeilnehmerInnen

Als die Studie im Jahre 1987 begonnen wurde, waren die TeilnehmerInnen etwa 14 Jahre alt (Geburtsjahrgang 1973), sie besuchten die 8. Klasse der zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS). In die Untersuchungen von 1987 bis 1989 waren 1281 Schüler aus den damaligen Bezirken der DDR Leipzig und Karl-Marx-Stadt einbezogen. Sie gehörten 72 Klassen aus 41 Schulen an, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Die Population war weitgehend DDR-repräsentativ.

Zur Zeitpunkt des Mauerfalls waren die TeilnehmerInnen bereits 16/17 Jahre alt, hatten die zehnklassige polytechnische Oberschule (POS) als letzter Jahrgang voll durchlaufen und waren damit über ein Jahrzehnt vom Bildungs- und Erziehungssystem der DDR, mehr oder weniger nachhaltig, geprägt worden. Zugleich waren sie noch jung genug, um sich nach dem Zusammenbruch der DDR und des Sozialismus neu zu orientieren, die Werte und Visionen des jetzigen Gesellschaftssystems zu übernehmen oder aber sich zu verweigern bzw. kritisch mit ihnen auseinander zu setzen.

Im Frühjahr 1989 erklärten sich 587 TeilnehmerInnen schriftlich bereit, auch nach Schulabschluss weiter an ähnlichen Untersuchungen mitzuarbeiten. Durch Wohnortwechsel (vor allem in die alten Bundesländer) reduzierte sich allerdings dieser Kreis in der Wendezeit auf 485 Personen. Von ihnen beteiligte sich ein hinreichend großer Teil an den bisher nach der Wiedervereinigung durchgeführten (postalischen) Befragungen mit einer seit 1993 deutlich steigenden Quote (z. B. 2002: 419 Personen, 71 %, 2007: 383 Personen, 65 % 2012: 350 Personen, 59 %, 2017/18: 313 Personen, 53 %)

Abbildung: Muster einer Einverständniserklärung aus dem Jahr 1989, (c) (r) 2019 Sächsische Längsschnittstudie

Die Anzahl der Befragten lag in den Jahren 1990 bis 1994 zwischen 170 und 276, ab 1995 zwischen rund 350 und 400 mit zunehmender Tendenz. Dabei ist zu beachten, dass von einem Teil trotz intensiver Bemühungen nicht der heutige Wohnort ermittelt werden konnte. Aktuell (2019) sind 428 der ursprünglich 587 Adressen als “aktiv” anzusehen d.h. die TeilnehmerInnen sind nicht verstorben, nicht unbekannt verzogen und haben nicht ihre Bereitschaft zur Teilnahme zurückgezogen. Legt man diese Zahl zugrunde, betrug die Rücklaufquote 2017/18 73 %.

Schon im Jahr 2000 ergab eine entsprechende Frage, dass die Panelmitglieder im Durchschnitt 2,5 mal umgezogen sind, 2005 sind es bereits 3,2 mal bei einem bisherigen Rekord von 12mal. Das bedeutete auch für Studie in den meisten Fällen eine (erneute) Änderung der Adresse, in vielen davon einen erneuten Versand der Befragungsunterlagen. Als völlig “sesshaft” erweisen sich 2005 nur 6 %.

Tabelle: Übersicht über die Wellen undTeilnehmerInnen der Sächsischen Längsschnittstudie 1987 – 2017/18

WelleJahrZeitraumTeilnehmerInnen
11987Herbst1407
21988Herbst1220
31989Frühjahr1281
41990Mai276
51990Dezember86 (Zufallsauswahl)
61991Juli220
71992März224
81992Dezember170
91993Dezember232
101994Dezember259
111995Dezember316
121996Dezember335
131998April – September368
142000Juni – August398
152001/2002Dezember – Januar354
162002April – Juli420
172003April – Juli419
182004Mai – Juli414
192005Mai – August384
202006Juni – August393
212007Juni – August383
222008März – Oktober381
232009Juni – November364
242010Juni – November326
252011/2012November – Januar373
262012Juni-September350
272013/2014November-März328
282015September-Dezember337
292016September-Dezember271
302017/2018November-Februar313
312019

Die Ergebnisse der Studie können mit hoher Wahrscheinlichkeit für junge Ostdeutsche dieser Altersgruppe verallgemeinert werden, ähnliche Relationen sind auch in den benachbarten höheren Altersgruppen zu erwarten. Das gilt insbesondere für die dargestellten Zusammenhänge und Trends. Betont sei: Repräsentativität für junge Ostdeutsche insgesamt wird ausdrücklich nicht unterstellt. Wie Vergleiche mit repräsentativen Untersuchungen jedoch belegen widerspiegelt die Studie grundsätzlich die Situation vieler junger Ostdeutscher auf ihrem Weg in das vereinte Deutschland.

Für die Aussagekraft der Studie spricht auch, dass die Relationen zwischen den Anteilen der Panelmitglieder in der Leipziger und in der Chemnitzer Region gleich geblieben sind. Ursprünglich stammten 58 % der Gesamtpopulation aus der Leipziger Region (u. a. Leipzig, Torgau, Delitzsch, Borna), 42 % aus der Chemnitzer Region (u. a. Zwickau, Schneeberg, Plauen). Bei der 19. Welle 2005 lauteten die Relationen 60 % zu 40 %. Selbst die Anteile der abgewanderten Panelmitglieder sind faktisch identisch: Von den Leipzigern sind 23 % in die alten Bundesländer bzw. ins Ausland gegangen, von den Chemnitzern 21 %.

Zum Zeitpunkt der 30. Welle (2017/2018) betrug das mittlere Alter 45 Jahre. Von den TeilnehmerInnen waren 47 % männlich, 53 % weiblich. Über die Hälfte der Befragten (53 %) ist verheiratet. 79 % leben mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammen. Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen (77 %) hat Kinder.

Auf die Frage nach dem höchsten erreichten Schulabschluss wurde 2011 angegeben: 55 % Abschluss 10. Klasse, 13 % Abitur, 8 % Fachschulabschluss, 23 % Fachhochschul-, Hochschul- oder Universitätsabschluss. Es handelt sich bei den Mitwirkenden in der Sächsischen Längsschnittstudie somit um eine relativ gut ausgebildete Gruppe.

Die ausgeübten Tätigkeiten/Berufe in Welle 30 waren: 21 % Arbeiter, 10 % Selbständige, 58 % Angestellte, 5 % Beamte, 4 % Sonstiges (Hausfrau-/mann/in Elternzeit, …) und 2 % arbeitslos.

Die Verteilung auf die Einkommensgruppen (persönliches monatliches Nettoeinkommen) wurde 2017/18 wie folgt angegeben: bis 999 € 10 %, 1.000 bis 1.999 € 46 %, 2.000 bis 2.999 € 29 %, 3.000 bis 3.999 € 8 %, 4.000 bis 4.999 € 2 % und 5.000 € und mehr 5 %. Von den TeilnehmerInnen lebten 76 % in den neuen Bundesländern, 24 % sind in die alten Länder bzw. das Ausland umgezogen.

Mit der 24. Welle der Studie im Jahr 2010 wurde die Möglichkeit eröffnet, den Fragebogen alternativ zur Papiervariante online auszufüllen. Dazu kam ein Umfragesystem zum Einsatz, das auf einem gesicherten Server der TU Dresden gehostet wird. Der Zugang erfolgt über eine individuelle TAN. Die Online-Umfrage bietet eine Reihe von Vorteilen: Druck- und Portokosten werden spürbar reduziert. Die Daten sind sofort digitalisiert verfügbar, aufwändige und fehleranfällige Dateneingaben in den Computer entfallen. Die Beantwortung der Fragenbogen ist mit allen digitalen Endgeräten (Smartphones, Tablet, PC usw.) jederzeit möglich. Es gibt jedoch eine ganze Anzahl von TeilnehmerInnen, die davon keinen Gebrauch machen. Als Gründe wurden u. a. Sorgen um die Datensicherheit, ein nicht vorhandener PC und/oder das Fehlen einer (ausreichenden) Internetverbindung genannt.

Mit ca. 60 bis 70 Prozent wählte die Mehrheit der TeilnehmerInnen seit einigen Jahren die Online-Teilnahme. Im statistischen Vergleich der Online- mit den Offline-TeilnehmerInnen zeigte sich: Keine Unterschiede zwischen den TeilnehmerInnen, die online bzw. offline teilnahmen, gab es bzgl. des Geschlechts, der Partnerschaft und dem Vorhandensein von Kindern. Tendenziell (p < 0.1) nehmen Befragte mit Wohnort in Westdeutschland und Befragte mit einem persönlichen monatlichen Nettoeinkommen ab 3000 € eher online teil. Eine deutliche Differenz gab es zwischen den Personen mit einem Bildungsabschluss Abitur oder höher und Personen ohne Abitur. Die TeilnehmerInnen mit einer höhereren Schulbildung bevorzugen signifikant die Online-Teilnahme. An allen Wellen 24 bis 30 haben N = 200 Personen immer teilgenommen. Diese stetige Teilnahme ist signifikant häufiger bei den Online-TeilnehmerInnen (73,7 Prozent) zu beobachten als bei den Personen, die einen Papierfragebogen bevorzugen (47,0 Prozent).

Quellen:

Berth, H., Brähler, E., Zenger, M. & Stöbel-Richter, Y. (2019). Die Sächsische Längsschnittstudie – Zahlen und Fakten. In H. Berth, E. Brähler, M. Zenger & Y. Stöbel-Richter (Hrsg.), 30 Jahre ostdeutsche Transformation. Sozialwissenschaftliche Ergebnisse und Perspektiven der Sächsischen Längsschnittstudie. Gießen: Psychosozial-Verlag.

Berth, H., Brähler, E., Zenger, M. & Stöbel-Richter, Y (2012). Die Sächsische Längsschnittstudie – Informationen zu einer aussergewöhnlichen Untersuchung. In H. Berth, E. Brähler, M. Zenger & Y. Stöbel-Richter (Hrsg.), Innenansichten der Transformation. 25 Jahre Sächsische Längsschnittstudie (1987 bis 2012) (S. 15-28). Gießen: Psychosozial-Verlag.

Berth, H., Förster, P., Brähler, E., Zenger, M. & Stöbel-Richter, Y. (2015). Die Sächsische Längsschnittstudie. In H. Berth, E. Brähler, M. Zenger & Y. Stöbel-Richter (Hrsg.), Gesichter der ostdeutschen Transformation. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sächsischen Längsschnittstudie im Porträt (S. 17-27). Gießen: Psychosozial-Verlag.

Förster, P. (2007). Zur Sächsischen Längsschnittstudie und zur Untersuchungspopulation. In H. Berth, P. Förster, E. Brähler & Y. Stöbel-Richter (Hrsg.), Einheitslust und Einheitsfrust. Junge Ostdeutsche auf dem Weg vom DDR- zum Bundesbürger. Eine sozialwissenschaftliche Langzeitstudie von 1987-2006 (S. 15-24). Gießen: Psychosozial-Verlag.